Gedanken zur Notwendigkeit einer ethischen Reflexion in der DGSv
Welche Werte zählen? Wie sollte man handeln? Was ist richtig und was falsch? Das sind zentrale Fragen der Ethik.
Ausgangspunkt einer ethischen Reflexion des Einsatzes von KI in der DGSv sind deren zentrale Werte. Die DGSv ist seit 2025 eine ECOnGOOD-Organisation. Für das Handeln der Mitglieder als Supervisor*innen, Coaches und Organisationsberater*innen existieren Ethische Leitlinien.
Als ECOnGOOD-Organisation ist die DGSv folgenden Werten verpflichtet: Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung.
Diese Verpflichtung gilt gegenüber ihren Mitgliedern, den Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle, den ehrenamtlich Mitarbeitenden, den Dienstleister*innen, den Finanzpartner*innen, Mitunternehmen und dem gesellschaftlichen Umfeld.

Heruntergebrochen auf den Einsatz von KI bedeutet das unter anderem, die Achtung von Autonomie und Privatsphäre, Datenschutz, Gewährleistung von Fort- und Weiterbildung, Mitbestimmung der Mitarbeitenden beim KI-Einsatz, regelmäßige Bias-Prüfung, faire Lizenzmodelle, Barrierefreiheit, Energieeffizienz, klare Verantwortlichkeiten, offengelegte Trainingsdaten.
Ein erster Schritt war die Unterzeichnung des Code of Conduct „Demokratische KI“ durch die DGSv. Das ist ein Projekt von „D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e. V.“. Bisher haben 196 Organisationen diesen Code of Conduct unterzeichnet.
Die Wertorientierungen und Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, haben eine sehr große Schnittmenge mit denen der Gemeinwohlbilanzierung.
Sehr hilfreich für die operative Umsetzung der oben genannten Wertorientierungen sind die im Rahmen dieses Code of Conduct bereitgestellten „White Papers“. Bisher sind es drei: „KI und Gerechtigkeit“, „Solidarische Praxis der Nutzung von KI“ und „Freiheit als zentraler Wert für den KI-Einsatz in der Zivilgesellschaft“. Sie enthalten Hilfestellungen und Handlungsleitfäden.
Als Berufs- und Fachverband bietet sich die Nutzung von KI für die „Mitgliederbetreuung und -gewinnung“ und die „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ an.
Denkbar sind Chatbots für häufige Mitgliederanfragen, Unterstützung beim Terminsetzen für Mitgliederberatung oder Veranstaltungen, Empfehlungen zu passenden Angeboten für Mitglieder, Content-Erstellung für Artikel, Blogbeiträge, Newsletter, Social-Media, Zusammenfassungen von Sitzungen und Berichten, automatisierte Protokollerstellung aus Audioaufzeichnungen oder Stichpunkten u. v. m.
Bisher haben wir uns von der Akzeptanz der Beteiligten und den vorhandenen Ressourcen leiten lassen.
Um eine Wissensgrundlage zu schaffen, war eine Fortbildung für die Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle und den Vorstand am „ICH – Immersive Collaboration Hub“ der Fernuniversität in Hagen im Rahmen des Zukunftszentrums KI NRW eine erste Maßnahme.
Weiterhin haben wir uns für eine Plattform für generative KI mit Datenmaskierung und anpassbaren Inhaltsfiltern, um sensible Informationen zu schützen, entschieden. Derzeit prüfen wir auf dieser Plattform einen internen Chatbot für Mitgliederanfragen. Dabei lassen wir uns beraten.
Um unseren Mitgliedern die Nutzung einer KI zu erleichtern, haben wir eine Reihe von Veranstaltungen angeboten. Wir sehen diese Art von Wissenstransfer als eine unserer Hauptaufgaben an.
2021 gab es vier Termine der Reihe „Beraten im digitalen Dialog“ und die Veranstaltung „Digitale Medien“, 2023 die Veranstaltung „Künstliche Intelligenz und ihre Bedeutung für Beratung, Supervision, Coaching“, 2024 „KI in der Beratung“. 2025 gab es mehrere Termine zu „KI in der Beratung“, weiterhin „GPTs verstehen & einordnen – was Supervisor*innen jetzt wissen sollten“.
2025 organisierte der Vorstand der DGSv eine Expert*innen-Runde zur Frage: „Welche normativ-ethischen Empfehlungen zur Nutzung von KI können oder sollen wir als Fach- und Berufsverband abgeben?“ Als deren Ergebnis werden 2026 die Veranstaltungen „KI in der Beratung – Community of Practice“ im Mai und „KI & Ethik“ im Juni stattfinden.
Der Einsatz von KI ist kein Selbstzweck. Er sollte unseren Kernaufgaben als Verband entsprechen. Transparente Nutzungskriterien, Datenschutz (DSGVO), ökologisch vertretbares Vorgehen, menschliche Kontrolle bei kritischen Entscheidungen sind zentrale ethischen Vorgaben auch zukünftiger Umsetzungen.
Dr. Annette Mulkau
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) Diplom-Psychologin, Supervisorin (DGSv)
